Deutsche Bundespräsidenten

Eine Liste

In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland (gegründet 1949; nach dem 2. Weltkrieg) gab es 11 Bundespräsidenten.
Die Amtszeit des deutschen Bundespräsidenten (Offizielle Abkürzung: BPr.) beträgt fünf Jahre mit der Möglichkeit einer einmaligen Wiederwahl (also maximal 10 Jahre). Er wird durch die Bundesversammlung gewählt.
Zwei Mal trat ein Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland bereits von seinem Amt zurück (Horst Köhler 2010 und Christian Wulff 2012). Die Bundespräsidenten Theodor Heuss, Heinrich Lübke, Richard von Weizsäcker und Horst Köhler traten jeweils eine zweite Amtszeit an.

Hier die Liste der amtierenden & ehemaligen Bundespräsidenten in chronologischer Reihenfolge; in Klammern jeweils die Ehefrau bzw. Lebensgefährtin.

Amtszeit Partei Name (Ehefrau)
1949 - 1959 FDPTheodor Heuss (Elly Heuss-Knapp)
1959 - 1969 CDUHeinrich Lübke (Wilhelmine Lübke)
1969 - 1974 SPDGustav Heinemann (Hilda Heinemann)
1974 - 1979 FDPWalter Scheel (Mildred Scheel)
1979 - 1984 CDUKarl Carstens (Veronica Carstens)
1984 - 1994 CDURichard von Weizsäcker (Marianne v. Weizsäcker)
1994 - 1999 CDURoman Herzog (Christiane Herzog)
1999 - 2004 SPDJohannes Rau (Christina Rau)
2004 - 2010 CDUHorst Köhler (Eva Luise Köhler)
2010 - 2012 CDUChristian Wulff (Bettina Wulff)
2012 - 2017 parteilosJoachim Gauck (Daniela Schadt)
2017 - heute SPDFrank-Walter Steinmeier (Elke Büdenbender)

 

Kurzbiographie

 

  1. 12.09.1949 bis 12.09.1959 —

    Theodor Heuss

    — FDP
    Theodor Heuss (1884–1963) war seit 1903 politisch aktiv und vor und während seiner politischen Karriere Journalist & Publizist. Nach dem Krieg war er maßgeblich am Neuaufbau der späteren FDP beteiligt, deren Vorsitzender er 1948-49 war.
    Bei der Wahl des 1. Bundespräsidenten der BRD für die Periode ab dem 12.09.1949 gewann er gegen den SPD Vorsitzenden Kurt Schumacher im zweiten Wahlgang mit 52% zu 38% der Stimmen. Seine Wiederwahl am 12.09.1954 gewann er Haushoch mit 86% der Stimmen im ersten Wahlgang.
  2. 13.09.1959 bis 30.06.1969 —

    Heinrich Lübke

    — CDU
    Heinrich Lübke (1894–1972) studiert Landwirtschaft und Nationalökonomie, und war einige Jahre als Bauleiter und Ingenieur tätig. Seit Oktober 1953 war Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im zweiten Kabinett von Konrad Adenauer.
    Bei der Wahl der Bundesversammlung für die Periode ab dem 13.09.1959 bekam er im zweiten Wahlgang 50,7% der Stimmen, und sein Gegenkandidat, der Jurist Prof. Dr. Carlo Schmid aus dem SPD Parteivorstand, bekam 37,2% der Stimmen. Bei der Zweiten Wahl am 30.06.1969 erhielt er im ersten Wahlgang 68% der Stimmen.
  3. 01.07.1969 bis 30.06.1974 —

    Gustav Heinemann

    — SPD
    Gustav Heinemann (1899–1976) war bis 1952 Mitglied der CDU und zunächst Oberbürgermeister von Essen (1946-49) und dann ab 1949 der erste Bundesminister des Innern. Von diesem Amt trat er aus Protest gegen die von Konrad Adenauer propagierte Wiederbewaffnung 1950 zurück. Im Jahr 1957 wurde er Mitglied der SPD, und war dann Bundesjustizminister (1966–1969) in der großen Koalition (Kabinett Kiesinger).
    Bei der Wahl zum Bundespräsidenten für die Periode ab dem 01.07.1969 setzte er sich erst im 3. Wahlgang (bei dem eine relative Mehrheit ausreichend ist) mit 49,4 % zu 48,8 % der Stimmen gegen den damaligen Bundesverteidigungsminister Gerhard Schröder (CDU) durch.
  4. 01.07.1974 bis 30.06.1979 —

    Walter Scheel

    — FDP
    Walter Scheel (1919-2016) absolvierte zunächst eine Banklehre und diente dann bis 1945 im Nachtjagdgeschwader der Luftwaffe als Adjutant. Danach arbeitet er als selbständiger Wirtschaftsberater bis er zunächst Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit (1961-1966) und dann Außenminister (1969-1974) wurde.
    Bei der Wahl für die Periode ab dem 01.07.1974 erreichte Scheel im 1. Wahlgang 51,2 % und der einzige Gegenkanditat Richard von Weizsäcker (CDU) verlor mit 48,1 % der Stimmen.
  5. 01.07.1979 bis 30.06.1984 —

    Karl Carstens

    — CDU
    Karl Carstens (1914–1992) war ein promovierter Jurist und während des Krieges als Soldat bei der Flakartillerie tätig. Nach dem Krieg arbeite er als Rechtsanwalt, engagierte sich zunehmend politisch, stieg zum Stellvertreter des Bundesaußenministers auf und war von 1976-79 Präsident des Deutschen Bundestages.
    Bei der Wahl der Bundesversammlung für die Periode ab dem 01.07.1979 gewann Carstens im 1. Wahlgang mit 51,0 % der Stimmen gegen Annemarie Renger (SPD; 41,6 %), der damaligen Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Sie war die erste Frau, die sich einer Wahl stellte. Die FDP enthielt sich bei dieser Bundesversammlung all ihrer Stimmen (etwa 6,9%)
  6. 01.07.1984 bis 30.06.1994 —

    Richard von Weizsäcker

    — CDU
    Richard von Weizsäcker (1920–2015) war als Soldat bis von Kriegsanfang bis Kriegsende bei der Infrantie. Studierte dann Rechtswissenschaft und schloss 1955 mit der Promotion zum Dr. jur. ab. Ein Jahr vorher war er der CDU beigetreten, wo er seit 1966 bis zu seiner Wahl zum Bundespräsidenten Mitglied des Bundesvorstandes war. Er arbeitete zunächst als leitender Manager in der freien Wirtschaft, war von 1969-1981 Mitglied des Deutschen Bundestages und von 1981-1984 Regierender Bürgermeister von West-Berlin.
    Bei der Wahl für die Periode ab dem 01.07.1984 gewann er im 1. Wahlgang mit 80,0 % gegen die einzige Gegenkanidaten Luise Rinser (6,5 %), die von den Grünen vorgeschlagen wurde. Bei der Wahl für den Zeitraum ab dem 01.07.1989 war er der einzige Kanidat, und erhielt 84,9 % der Stimmen.
  7. 01.07.1994 bis 30.06.1999 —

    Roman Herzog

    — CDU
    Roman Herzog (* 1934) studierte Jura in München, promoviert (1958) und war etliche Jahre als ordentlicher Professor mit dem Schwerpunkten Verfassungs- und Staatsrecht tätig. Er trat 1970 der CDU bei und war als aktiver Politiker von 1978 bis 1980 Kultus-, von 1980 bis 1983 Innenminister des Landes Baden-Württemberg und von 1983 bis 1994 Richter am Bundesverfassungsgericht, ab 1987 als dessen Präsident.
    Bei der Wahl für den Periode ab dem 01.07.1994 gewann schlußendlich im 3. Wahlgang gegen Johannes Rau (SPD) mit 52,6 % zu 45,7 % der Stimmen. Im ersten Wahlgang standen noch 5 Kandiaten zur Wahl, darunter wieder eine Frau, Hildegard Hamm-Brücher (ehemalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt) aus dem Vorstand der FDP.
  8. 01.07.1999 bis 30.06.2004 —

    Johannes Rau

    — SPD
    Johannes Rau (1931–2006) beendete seine Lehre als Verlagsbuchhändler 1952 und arbeite anschließend in mehreren Verlagen. Er wurde 1957 Mitglied der SPD und 1970 Minister für Wissenschaft und Forschung im Kabinett Heinz Kühn in Nordrhein-Westfalen. Von 1978-1998 war er Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, und damit der am längsten dienende Landeschef.
    Bei der Wahl für die Periode ab dem 01.07.1999 erhielt er im 2. Wahlgang 51,6 %, und damit die absolute Mehrheit. Von den zwei anderen Kandiaten, erhielt die Physikprofessorin Dagmar Schipanski (CDU) 42,8 % und die Theologin (und Tochter des früheren Bundespräsidenten) Uta Ranke-Heinemann 4,6 % der Stimmen.
  9. 01.07.2004 bis 31.05.2010 —

    Horst Köhler

    — CDU
    Horst Köhler (* 1943) studierte Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaften und promovierte 1977 zum Dr. rer. pol. mit einer Arbeit zum Thema „Freisetzung von Arbeit durch technischen Fortschritt“. Nach einigen Positionen im Bundesfinanzministerium verlässt er dieses und wird von 1993-1998 Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Anschließenden Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (1998-2000) in London und wird schließlich, auf Vorschlag des Bundeskanzlers Gerhard Schröder, zum Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) gewählt (2000-2004).
    Bei der Wahl für die Periode ab dem 01.07.2004 erhielt er im 1. Wahlgang 50,1 % der Stimmen. Die einzige Gegenkanidatin war die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan (SPD), die 48,9 % der Stimmen erhielt. Bei der Wiederwahl für die Periode ab dem 01.07.2009 erheilt er im 1. Wahlgang 50,1 % und Gesine Schwan 41,1 % der Stimmen.
    Auf Grund einer umstrittenen Aussage, in der er den Auslandseinsatz der Bundeswehr (zumindest indirekt) zur Durchsetzung wirtschaftliche Interessen propagiert, trat er mit Wirkung vom 01.07.2010 zurück. Nach seinem Rücktritt war das Amt für 29 Tage vakant.
  10. 30.06.2010 bis 17.02.2012 —

    Christian Wulff

    — CDU
    Christian Wulff (* 1959) beendete sein Jura Studium 1990 mit dem zweiten Staatsexamen und war dann bis 1994 als Rechtsanwalt in einer Anwaltssozietät in Osnabrück tätig. Er trat 1975 in die CDU ein, seit 1984 gehört er dem Landesvorstand der CDU in Niedersachsen an, von 1994-2008 war er deren Landesvorsitzender und 2003-2010 Ministerpräsident von Niedersachsen.
    Bei der Wahl für die Periode ab dem 30.06.2010 erhielt er im 3. Wahlgang 50,2 % und sein Kontrahent Joachim Gauck (parteilos; von den Grünen vorgeschlagen) 39,7 % der Stimmen. Im 1. Wahlgang kandiierte auch die Soziologin und Fernsehjournalistin Lukrezia Jochimsen (Die Linke) und erhielt 10,1 % der Stimmen.
    Wulff gab am 17.02.2012, einen Tag nachdem die Staatsanwaltschaft Hannover die Aufhebung seiner Immunität beantrag hatte, seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung bekannt. Vorrausgegangen waren Ermittlungen wegen eines Verdachts der Vorteilsannahme, die schließlich zu einer Anklage vor Gericht führten und mit dem Freispruch Anfang 2014 beendet wurden. Nach seinem Rücktritt war das Amt für 29 Tage vakant.
  11. 18.03.2012 bis 18.03.2017 —

    Joachim Gauck

    — parteilos
    Joachim Gauck (* 1940) beendete das Studium der Theologie in Rostock 1965 und arbeitete bis 1990 als evangelisch-lutherischer Pastor und Kirchenfunktionär. Er dann für etwa 1 Jahr Abgeordneter in der Volkskammer der DDR sowie Mitglied des Deutschen Bundestages für das Bündnis 90. Von 1990 bis 2000 war er Der „Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik“ (BStU (Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen) auch als Gauck-Behörde bekannt.
    Bei der Wahl für die Periode ab dem 18.03.2012 erhielt er im 1. Wahlgang 80,4 % und die Journalistin Beate Klarsfeld (Die Linke) 10,2 % der Stimmen.
  12. 18.03.2017 bis heute —

    Frank-Walter Steinmeier

    — SPD
    Frank-Walter Steinmeier (* 1956) beendete sein Jurastudium 1986 mit dem zweiten juristischen Staatsexamen. In Jahr 1991 wurde er an der Universität Gießen zum Dr. jur. promoviert. Außerdem erhielt er 2015 / 2016 jeweils den Titel des Ehrendoktors der Universität Piräus [Griechenland] sowie der Universität Paderborn.
    Seit November 1975 ist er SPD-Mitglied. Von 1999 bis 2005 war er Chef des Bundeskanzleramtes unter Gerhard Schröder. Bei der Bei der Bundestagswahl 2009 trat er gegen Angela Merkel an; die SPD erhielt 146 (23%) der Bundestagsmandate, und im Anschluss formierte sich die schwarz-gelbe Koalition. Steinmeier wurde Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und nahm damit die inoffizielle Rolle des Oppositionsführers ein.
    Er war von 2005 bis 2009 (Kabinett Merkel I) und von 2013 bis 2017 (Kabinett Merkel III) Bundesminister des Auswärtigen.
    Bei der Wahl für die Periode ab dem 18.03.2017 erhielt er im 1. Wahlgang 74,3 % und der Professor für Politikwissenschaft Christoph Butterwegge (Die Linke) 10,2 % der Stimmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bundespräsident — Der erste Mann im Staat